Inselschatten # 30
Ein Attentat erschüttert Pulau Cahaya und plötzlich steht alles wieder auf dem Spiel.
Was bisher geschah: Mingtian ist aus dem Koma erwacht. Und mit ihm kehrte etwas zurück, das lange verloren schien: Hoffnung. Während Bang und Dina wieder zueinanderfinden, beginnt Mingtian zu begreifen, was in der Zeit seines Schweigens geschehen ist. Zwischen Erinnerung, Schmerz und unausgesprochenen Gefühlen wird offenbar, wie tief seine Liebe und Verbundenheit zu Dina wirklich sind.
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Er musste für einen kleinen Moment eingenickt sein. Ein kleines Rascheln hatte ihn geweckt. Er spürte die Nähe einer Person, vermutete Mei-Li die zurück gekommen war, doch noch bevor er die Augen öffnen konnte, spürte er plötzlich ein Kissen, das fest auf sein Gesicht gedrückt wurde. Er versuchte, sich zu befreien, war jedoch noch zu schwach. Er rang um Luft..der Druck wurde stärker, je mehr er rang. Die Luft wurde weniger und plötzlich ein Ruck und das Kissen fiel von seinem Kopf.
Ein dumpfes Rauschen in den Ohren, die Kehle brannte, die Lunge schrie noch nach Luft, als seine Lider flatternd aufgingen. Mei-Li kniete über ihm, ihre Hände an seinen Schultern, ihre Stimme eine ferne, helle Schneise durch den Nebel.
„Mingtian… Mingtian, hörst du mich? Atme… ganz ruhig… ich bin da.“
Er keuchte, schnappte nach Luft, während sein Blick suchend durch das Zimmer irrte – und dann sah er sie.
Tika.
Reglos auf dem Boden, bewusstlos, wie ein umgestürzter Schatten. Und erst jetzt begriff er wirklich, was geschehen war. Das Gewicht auf seinem Gesicht. Die muffige, stickige Dunkelheit des Kissens. Der panische Kampf, der ihm die Atemzüge aus dem Körper gerissen hatte.
Mei-Li… hatte ihm das Leben gerettet.
Doch er kam nicht dazu, etwas zu sagen.
Denn in genau diesem Moment – in einer dünnen, kaum fassbaren Sekunde – riss Tika wieder die Augen auf.
Es ging alles zu schnell.
Wie eine Raubkatze schoss sie hoch. Ein kehliges Geräusch, zwischen Zorn, Wahnsinn und Schmerz. Ihre Hand fuhr blitzschnell an den Gürtel. Metall blitzte.
Das Messer.
„NEIN—!“ wollte Mingtian rufen, doch seine Stimme war nur ein raues Kratzen.
Mei-Li drehte sich um - es war einen Atemzug zu spät.
Tika rammte ihr die Klinge in die Seite.
Mei-Lis Schrei war kurz, hell, wie ein Glas, das zu Boden fällt. Dann sackte sie zusammen, Blut tränkte ihre helle Kleidung, und Mingtian, halb aufgerichtet, unfähig zu begreifen, zu handeln, zu atmen.
Tika holte erneut aus – diesmal auf ihn gerichtet.
Er sah ihr Gesicht.
Kalt. Verzerrt. Entschlossen.
Und dann…..
…..der Schuss.
Ein einziger, sauberer Knall, der die Luft im Raum zerriss.
Tika taumelte, die Augen weit, überrascht. Die Klinge fiel aus ihrer Hand, klirrte auf den Steinboden, sie kippte nach vorne – direkt auf Mingtian, der das Gewicht ihres Körpers reflexartig abwehrte, so gut er konnte.
Ihr Körper war schwer.
Warm.
Leblos.
Über ihre Schulter hinweg sah er ihn:
Chen Li.
Stehend im Türrahmen, Waffe im Anschlag, das Gesicht unbewegt, nur die Augen glühend vor Entschlossenheit.
Er senkte die Pistole.
„Verzeih, Mingtian,“ sagte er leise, die Stimme voller antrainierter Ruhe, die jetzt gefährlich brüchig wurde.
„Ich war einen Herzschlag zu spät.“
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Dina riss die Augen auf.
Ein einziger, scharfer Knall – wie ein reißender Faden in der Stille des Tempels.
„Ein Schuss“, sagte Bang sofort, seine Stimme knapp, wie ein Messer. Er war schon auf den Füßen, noch bevor Dina begriffen hatte, was sie da gehört hatte. Ihr Herz raste. Ein kalter Stich aus Angst durchfuhr sie – nicht um sich selbst, sondern um ihn. Um Mingtian. Um Mei-Li.
Beide griffen im Laufen nach ihren Kleidern, schlüpften hinein so schnell sie konnten. Bang riss die Tür auf. Dina folgte ihm barfuß, ihre Schritte peitschten über Stein und Holz, durch die schmalen Gänge des Tempels, vorbei an Öllampen, die flackernd Schatten warfen.
„Bang… bitte“, flüsterte sie, als könne ein leises Wort die Zeit verlangsamen.
„Ich weiß“, knurrte er nur, und seine Schritte wurden schneller.
Der süßliche Duft von Räucherwerk lag schwer in der Luft. Und darunter –
war da nicht etwas Metallisches? Warmes?
Sie bogen um die letzte Ecke.
Dina strauchelte.
Bang blieb abrupt stehen.
Das Bild vor ihnen brannte sich wie Feuer in ihre Augen:
Tika lag reglos am Boden neben Mingtians Bett.
Blut unter ihr, dunkel wie Öl.
Mei-Li lag blutüberströmt daneben. Die Augen leer.
Mingtian halb aufgerichtet im Bett, Schweiß auf der Stirn, der Atem flach, seine Augen weit vor Schreck – und Schmerz.
Chen Li stand mit gesenkter Waffe im Türrahmen, die Hände zittrig, die Haltung dennoch stramm wie ein Soldat, der die Verantwortung seiner Entscheidung trägt.
Dina schlug eine Hand vor den Mund, ein erstickter Laut –
nicht Schrei, nicht Weinen, etwas dazwischen. Ihre Knie wurden weich.
„Oh Gott… Mingtian… Mei-Li…“ Sie drängte sich an Bang vorbei, kniete neben Mei-Li und griff nach ihrer freien Hand.
Bang trat langsam näher, der Blick hart, geschärft, als müsse er jedes Detail im Raum in sich aufnehmen, um es begreifen zu können. Seine Brust hob und senkte sich schwer. Er sagte nichts, aber das Feuer in seinen Augen brannte schon – Schuld, Wut, Entschlossenheit.
„Was… ist passiert?“ presste Dina hervor, ihre Stimme wie zersplittertes Glas.
Chen Li antwortete nur knapp, rau, mit einem tonlosen Hauch von Schuld:
„Zu spät.“
Bang reagierte als Erster – ein einziges kurzes Zucken seiner Schultern, ein Raubtierinstinkt, der erwachte, noch bevor der Verstand begriff.
Schüsse.
Dumpf, hart, nah.
Nicht einer. Mehrere. Ein rhythmisches Splittern, als würden Wurzeln brechen.
Dina fuhr zusammen, ihr Atem stockte.
In der Tür erschien einer von Chen Lis Männern, außer Atem, die Waffe bereits in der Hand.
„Sindikasi!“ keuchte er. „Sie… sie stürmen den Tempel!“
Ein Augenblick voller Stille. Schwer wie Stein.
Dann bewegte sich Chen Li – präzise, entschlossen, ohne Zögern.
Er beugte sich über Mingtian, fasste ihn mit beiden Armen wie ein Ertrinkenden, der endlich Luft bekam.
„Mingtian. Du bist in Gefahr. Wir müssen weg. Jetzt.“
Seine Stimme war tief, fest, voller Dringlichkeit und dennoch von einer fast zärtlichen Klarheit, als stünde er einem Bruder gegenüber. Mingtian sackte halb in seine Arme, schwach, taumelnd, seine Beine wollten ihn kaum tragen – aber sie mussten.
Chen Li drehte sich zu seinen Leuten um wie ein General im Feuerregen.
„Fahrzeug zum Ostflügel! Fluchtweg sichern!“
Ein knappes „Ya!“ – und seine Männer verschwanden im Laufschritt.
Dann warf er Mingtian über die Schulter, als wäre er nichts als ein verletzter Vogel, und stürmte los. Dina kniete immer noch bei Mei-Li, die Hand fest umklammert, als wollte sie sie mit bloßer Liebe zurückholen. Tränen liefen ihr über die Wangen, stumm, hoffnungslos. Bang zog scharf die Luft ein. Er hatte diese Art Schmerz gesehen – in Häfen voller Toter, in Gassen voller Schuld. Doch niemals in Dinas Augen.
„Dina…“
Seine Stimme war leiser, als er wollte. Rau und tief.
Sie reagierte nicht.
Er packte ihren Arm, erst vorsichtig, dann fester.
„Dina, wir müssen gehen.“
Keine Reaktion.
Ihr Blick hing an Mei-Lis stiller Brust.
Die Schüsse draußen wurden lauter.
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